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News-Ticker

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Die Rolle/Mangel in Köhra und Threna

Die technischen Denkmäler in der Gemeinde Belgershain 

 Kaltmangeln in Köhra und Threna

 

 

Geschichte:

Welchen Wert gepflegte Tisch und Bettwäsche noch vor wenigen Jahrzehnten in allen Haushalten hatte, ist heute fast vergessen.

Er spiegelte sich in der aufwendigen Pflege der Decken, Lacken und Tücher wider.

 

Sorgsamer Umgang mit Textilien und Wertschätzung von aufwändigen und geschmückten Tüchern war Ausdruck von Sparsamkeit und Repräsentationsbedürfnis. Jede junge Frau sparte beachtliche Summen zur Anschaffung ihrer textilen Aussteuer. 

Je wohlhabender sie war, desto repräsentativer und umfangreicher fielen die Webwaren aus Baumwolle und Leinen aus. 

 

Der Wunsch nach schöner, glatter Wäsche und Kleidung regte die Menschen schon seit Jahrhunderten immer wieder an, neue Möglichkeiten zum Glätten der Stoffe zu entwickeln.

  • z.B. die Han-Dynastie (202 v.Chr.-220 n. Chr.) gab es ein bronzenes Pfanneneisen

          oder

  • um 1000 n.Chr. in Skandinavien kennt man Gnitt- oder Gniddelsteine, runde Steine mit denen der Stoff glattgestrichen wurde.

 

Parallel wurden unzählige Varianten von Bügeleisen entwickelt, die mit glühenden Kohlen, Gas oder Strom manchmal sogar mit Spiritus beheizt wurden.

 

Als Vorläufer der Kaltmangel kann man das Mangelbrett mit Mangelholz bezeichnen.

Die Wäsche wurde hier um das Rollholz gewickelt und dann mit dem Mangelbrett mit Muskelkraft hin und her gerollt. 

Mangelbretter gibt es seit dem 12./ 13. Jahrhundert.

 

Im 17. Jahrhundert gab es Schiebewäschemangel. Funktionsweise wie Mangelbrett jedoch mit Docken unter Mangelkasten, der mit Muskelkraft bewegt werden musste.

Konstruktion ausschließlich aus Holz mit 3 Doggen/ Rundhölzern. Die Doggen waren aus Weißbuche, einheimisches Gehölz, hat die kleinsten Poren und quillt deshalb nicht auf bei der zum Teil noch feuchten Wäsche. Gewicht der Dogge ca. 5kg.

 

Die Kastenmangel bestehen immer aus Holz oder Metallgestell. Haben eine hölzerne Grundplatte, meist aus Buche, über die auf zwei Rundhölzern ein steinbeschwerter Kasten hin und her bewegt wird. (gerollt) Der Antrieb erfolgte oftmals mit einer Handkurbel, später mit einem Elektromotor. 

 

Vorteile des Kaltmangels:

  • Wäscheschonung – Wäscheaussteuer musste ein Leben lang halten

  • Schönheit – durch den hohen Druck werden die Fasern der Wäsche zusammengepresst und erhalten so mehr Glanz – besonders bei Damast ersichtlich

  • Geringer Energieverbrauch, gegenüber Bügeleisen

 

Ausstattung der Mangelstube:

  • Kaltmangel/ Rolle

  • Spezieller Rolltisch mit Auffangvorrichtung für Rolltuch und Wäsche

  • Hocker/Stuhl zum Abstellen des Wäschekorbes

  • Oft noch ein Regal zum Ablegen der Wäsche

 

Sinn und Zweck der Rolltücher:

Um die Wäsche zu schonen wird um die Holzdocken ein Rolltuch gewickelt.

Das Rolltuch wurde auf einem Rolltisch, der so konstruiert war, dass die Wäsche nicht den Boden berühren konnte, ausgebreitet und drauf die mangelfeuchte Wäsche gleichmäßig und so glatt wie möglich, die ganze Breite des Tuches ausnutzend, gelegt.

Das Rolltuch musste nun mit den Wäschestücken stramm um das Rollholz gewickelt werden. Es fixierte die Wäsche und schützt vor Verschmutzung. 

 

Als Rolltücher verwendet man Tücher, meist 80cm breit und 200cm lang.

Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ausschließlich aus Leinen gewebt mit verschiedenen Randstreifen – in Sachsen waren Rolltücher mit roten oder blauen Randstreifen üblich.

 

Kindheitserinnerung:

???

Wer keine Rolldecke hatte belegte den Korb mit bunter Tischdecke.

 

Firmengeschichten:

In Köhra - Ernst Herrschuh, Chemnitz-Siegmar 

 

Die Firma Ernst Herrschuh Holzwaren und Maschinenfabrik wurde 1860 in Siegmar-Chemnitz gegründet. Die erste Eintragung ins Handelsregister erfolgte am 19.November 1879. Am 29.6.1913 erfolgte eine Änderung der Firma und am 15.01.1932 erfolgte die Eintragung des neuen Inhabers im Handelsregister- Nun Emma verw. Wahren geb. Bretschneider. 1941 wurde ein Rudolf Paul Hagen als persönlich haftender Gesellschafter eingetragen und mit Wirkung vom 30.09.1947 wieder ausgetragen. Die vorherige Inhaberin ist damit wieder als Alleininhaber der Firma tätig. 

 

Die Auflösung der Firma wurde am 9.Juni 1955 eingetragen. 

Die Firma musste von 1939 bis 1948 eine Aufstellung machen über Art der Produktion, wie Handwagen, Wäschemangeln, Holz- und Ersatzteile für Mangeln, Schreibtische. Ebenso über die Anzahl der Beschäftigten nach Art der Beschäftigung wie Heimarbeiter oder Fabrikarbeiter.

Auch war es wichtig wie hoch der Produktionswert der Firma war- 1939 38.000 RM, 1.HJ 1945 151.000 RM und 1.HJ 1948 21.000 RM.

Die Firma Herrschuh fertigte nicht nur Kaltmangeln, sondern auch Geflügelhäuser in vielen verschiedenen Größen, wie ein Produktkatalog zeigt.

 

Das hier stehende Modell besitzt die reichspatentgeschützte Konstruktion der Scherengitter, deren Öffnung einen automatischen Stillstand des Elektromotors bewirken.

Nur bei geschlossenem Schutzgitter ist der Betrieb möglich und erhöht damit die Arbeitssicherheit.  Nach jedem dritten Hin-bzw. Hergang wird der Schutzgitter automatisch von einem mechanischen Zählwerk ausgelöst und der Kastenlauf unterbrochen. Damit beträgt die planmäßige Mangelzeit bis zum Austausch der Mangelwäsche etwa 4 Minuten.  

 

Unsere Mangel hatte schon viele Standorte in Köhra. Zuerst beim Bäcker Müller in der Leipziger Str., dann in der Kindergrippe – Gartenstr. und wurde durch die Gemeinde bewirtschaftet. Es gab die Möglichkeit die frische Wäsche bei Frau Kotsch abzugeben und sie erledigte dann das Wäsche rollen. (Frau Kotsch ist die Mutter von Frau Gerda Berger)

Dann ist die Rolle wieder umgezogen ins damalige Gemeindeamt/ Bücherei bei Zimmermanns – Windmühlenstr.?? oder bei Frühaufs, Kurt- gegenüber vom ehemaligen Lieblings Lädchen. 

Mitte der 70er Jahre fand sie ihren letzten Standort, der auch heute noch besteht – im Seitengebäude bei Böhms, Martins Hof – Fuchshainer Str.

Betrieben und genutzt wird diese von der Familie Hartmann. 

 

In Threna – L.A. Thomas (Leberecht August Thomas)

Im Mai 1860 wurde der Handwerksbetrieb gegründet. In den ersten Jahren wurden Handwagen, Stanzklötze für Fleischereien und Leder verarbeitende Betriebe hergestellt.

1875 begann der Wäschemangelbau. Der Antrieb erfolgte mit einer Handkurbel über eine Kette und später über eine Zahnstange.

Abnehmer dieser Wäschemangeln waren vorwiegend größere Bauerngehöfte, Hotels, Garnisonen, Anstalten und Krankenhäuser.

 

Ab dem Jahr 1900 erweiterte L.A. Thomas die Produktion um handbetriebene Drei-Walzen-Haushaltwäschemangeln für den privaten Bedarf. 

1910 wurden die ersten Kastenwäschemangeln mit Kraft-Antrieb hergestellt. 

Es erfolgte eine ständige Weiterentwicklung, so dass verschiedene Modelle angeboten werden konnten.

1972 entstand die letzte Wäschemangel, dessen Produktion über 4 Generationen aufrechterhalten wurde.

 

Aufgrund der schlechten Bedingungen für Privatfirmen in der DDR musste die Produktion eingestellt werden – nach fast 100 Jahren. In diesem Zeitraum wurden ca. 5000 Wäschemangeln hergestellt.

Seit 1973 wurden die aufgestellten Wäschemangeln nur noch gewartet und repariert.

 

Die Firma L.A. Thomas wurde 1993 aufgelöst.

 

Typisches Merkmal sind die aufgemalten Nummern, welche gleichzeitig die Produktionsnummer sind. Welche Nr. ist zu sehen- die 3721. An Hand von Firmenunterlagen wurde diese Mangel im April 1931 nach Meißen geliefert.

Die zweite Firma, deren Schild zu sehen ist, Firma Richard Gröschel, hat vermutlich die Mangel später einmal umgebaut. Man sieht, dass die Sicherheitsgitter und deren Führung nicht original sind. 

 

Ursprünglicher Standort (bis ca. 1970): Oberdorf, Dorfstraße 38, Grundstück Fam. Grünberg, heute Familien Schwanitz u. Severin
Betreiber: Frau Franke, in Gewerberäumen der Gemeinde Threna; nach dem Tod von Frau Franke Ende der „60-ziger Jahre“, ging die „Rolle“ in das
Eigentum der Gemeinde Threna über.
Wegen anstehender, größerer Reparaturen wurde die „Rolle“ stillgelegt; da sich die Wäschemangel in privaten Räumen der Fam. Schwanitz (Nachkommen
Grünberg) befand, musste Dieter Schwanitz die „Rolle“ von der Gemeinde kaufen, um die Räume in Eigenbedarf nutzen zu können.
 

Die „Rolle“ wurde abgebaut und teilweise verschrottet; auf Grund der Notwendigkeit einer „Rolle“ im Dorf wurde nach einem geeigneten Standort gesucht.
Fam. Seifahrt, Dorfstr. 46 stellte einen Raum zur Verfügung; nach Umbau (Zugang von „Gasse“, wie heute) wurde eine gebrauchte „Rolle“ angeschaft (mit Nr. 3721), mit Teilen der „Schwanitz-Rolle“ (großes Zahnrad und Steinfüllung) konnte die neue „Rolle“ Anfang der 70-ziger Jahre in Betrieb gehen.
Neuer Betreiber: Ruth Seifahrt, dort wurde der Schlüssel geholt und ein entsprechender „Gedenkpreis“ bezahlt.
- Preis für eine Stunde: 1,- Mark (DDR), nach der Wende 1,- DM und später 1,50 €
 

Es machten sich in den folgenden Jahren immer wieder kleinere bis mittlere Reparaturen notwendig; um 2010 „wollte dann der Motor nicht mehr“, die „Rolle“ stand eine Weile still. Da Fam. Seifahrt nach dem Tod von Ruth Seifahrth 2012, nicht mehr die Kraft hatte die „Rolle“ zu betreiben, bildete sich eine „Interessengemeinschaft Rolle“ mit Renate Otto an der Spitze. Es wurde eine Sammlung im Dorf organisiert, um einen neuen Motor zu finanzieren, die „Rolle“ kam in Schwung und konnte wieder genutzt werden. In dieser Zeit kümmerte sich Klaus Czaja um das „Ölen + Schmieren“ der Technik; der Schlüssel wurde jetzt an einer verdeckten Stelle „gelegt“ und eine Kasse des Vertrauens eingeführt. Damit war aber auch dem „Schaden anrichten“ Tür und Tor geöffnet, es kam mehrfach zu Beschädigungen des Raumes.
 

Ab ca. 2019 übernahm dann, für mehrere Jahre Lore Ulbricht die Schlüsselgewalt. 

2026 gingen die Schlüssel an Maik Hantschack, (Enkel Fam. Seifahrt und jetziger Eigentümer) zurück. 

Da kaum noch Bedarf zur Nutzung der „Rolle“ besteht und wieder Reparaturen anstehen kam es zur Stilllegung der „Rolle

 

Quellen: 

Technisches Museum Großröhrsdorf, Büchlein “Wäschemangeln zu Großmutters Zeiten“-Ein kurzer geschichtlicher Abriss über die Kunst des Wäscheglättens- Juni 2013

Sächsisches Staatsarchiv – Chemnitz

Erzählung von Dorfbewohnern - Threna